Fotoexkursion am Ölper See mit biologischer Begleitung 

Wie oft gehen wir durch die Natur, ohne die kleinen Wunder am Wegesrand wahrzunehmen? Bei unserer Fotoexkursion am Ölper See in Braunschweig lautete das Motto deshalb:

„Natur mit anderen Augen sehen“.

Mit Kamera oder Smartphone ausgestattet machten sich neun neugierige Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemeinsam auf den Weg, um die Lebensräume rund um den Ölper See fotografisch zu entdecken.
Referent für die Veranstaltung war der Biologe Stephan Moldzio.
Auch der Regionalstellenleiter der Evangelischen Erwachsenenbildung Niedersachsen, Dr. Peter Straßer, begleitete die Veranstaltung.
Stephan und Peter arbeiten schon seit 15 Jahren in Sachen Umweltbildung zusammen.

Naturfotografie am Ölper See

Naturfotografie am Ölper See

Naturfotografie beginnt mit dem Beobachten

Um 14 Uhr traf sich die Gruppe am Pavillon am Ölper See. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde, auch zu den fotografischen Erfahrungen und Erwartungen der Teilnehmer, folgte eine kurze Einführung in die Grundlagen der Naturfotografie. Dabei wurde schnell deutlich: Gute Naturfotos entstehen nicht allein durch aufwändige oder teure Ausrüstung.
Ob Smartphone, Kompaktkamera, Spiegelreflex- oder Systemkamera – entscheidend ist vor allem der Blick für das Motiv. 

Stephan stellte die unterschiedlichen Objektivtypen vom Makroobjektiv bis zum Teleobjektiv vor und erklärte anhand von Beispielfotos kurz wichtige fotografische Grundlagen wie Blende, Belichtungszeit, ISO-Einstellung, Brennweite und Schärfentiefe.
Gestalterische Aspekte, wie Bildkomposition, Perspektive, Bildausschnitt, Schärfeebene, Licht und Farben helfen dabei, Motive bewusst in Szene zu setzen.

Zwei jugendliche Stockenten-Erpel

Zwei jugendliche Stockenten-Erpel

Zwei Buntspecht-Weibchen

 

Die fotografische Aufgabe für die anschließende Exkursion:

Lebewesen, Verhaltensweisen, Stimmungen und Landschaften, sowie die Verbindung zwischen Natur und menschlicher Nutzung mithilfe von Nah- bis Panoramaaufnahmen dokumentieren.

Graugänse auf dem Ölper See erwarten Futter

Graugänse auf dem Ölper See erwarten Futter

Graugans auf dem Ölper See

Auf Entdeckungstour am Ölper See und Oker

Die ersten Motive ließen nicht lange auf sich warten: Kleinlibellen jagten über die Feuchtwiese, Wasservögel schwammen über den See und am Ufer hat sich eine stattliche Graugans-Kolonie etabliert. Verschiedene Insekten, Pflanzen und Blüten boten interessante Strukturen für Nahaufnahmen. Man merkte, wie sich der Blick auf die Umgebung verändert, sobald man mit der Kamera unterwegs ist. Plötzlich werden Details sichtbar, die sonst leicht übersehen werden.

Gegen 15 Uhr traf sich die Gruppe an der Überlaufschwelle zwischen Ober- und Untersee. Hier stellte Stephan das Naturschutzgebiet „Braunschweiger Okeraue“ vor. Diese dynamische Auenlandschaft mit den periodischen Überflutungen bildet einen wichtigen Lebensraum für viele Tier- und Pflanzenarten und verbindet verschiedene Habitate miteinander. Die Kombination aus Fließ- und Stillgewässern und anderen Landlebensräumen schafft eine große Vielfalt an ökologischen Nischen. Das ist die Lebensgrundlage für viele spezialisierte Arten, welche oftmals bedroht sind, und bewirkt insgesamt eine hohe Biodiversität.

Feuchtwiese in der Okeraue

Feuchtwiese in der Okeraue

Blühender Giersch am Ölper See

Wasserstandsregulierung, Hochwasserschutz und Überschwemmungsflächen

Der nächste Zwischenstopp war am Ölper Wehr. Thema war die Regulierung des Wasserstands der Oker und die Bedeutung des Hochwasserschutzes.
Die Fischtreppe ermöglicht wandernden Fischarten das Passieren des Bauwerks und trägt damit zur ökologischen Durchgängigkeit der Oker bei.
Außerdem ist hier eine Einstiegsstelle für Kanufahrer.

Im Hochwasserfall, vor allem im Winter nach Starkniederschlägen, oder nach der Schneeschmelze, kann das Wasser über eine Überlaufschwelle aus der Oker in den Ölper See abfliessen und von hier über eine weitere Überlaufschwelle in den kleineren sogenannten „Untersee“. Dieser ist abgezäunt und gehört zum NSG „Braunschweiger Okeraue“. Wenn das Wasser weiter steigt, werden die Überflutungsflächen der Okeraue überflutet und zum Teil auch die Wege um den Ölper See. Dies schützt nicht nur die menschliche Besiedlung, sondern schafft in der Okeraue auch einen ungeheuer dynamischen, wertvollen Lebensraum.

Der Ölper See ist überhaupt ein künstlicher See, der in den 70-Jahren zum Zwecke eines Naherholungsgebietes erschaffen wurde. Der „Obersee“ des Ölper Sees hat eine Fläche von 14 Hektar und eine maximale Tiefe von 14,3 Metern.

An der Stelle des Ölper Wehres wurde über viele Jahrhunderte mithilfe der Ölper Mühle die Wasserkraft der Oker für vielfältige Anwendungen genutzt: 100 % Erneuerbare Energie.
Der ehemalige Mühlengraben führte der Mühle das Wasser zu, mithilfe des vorgelagerten Freiflutwehres, dem sogenannten „Pfläcknis“, konnte der Wasserzulauf reguliert werden. Heute kann man das denkmalgeschützte Pfläcknis am Ufer des Ölper Sees begutachten. Heute fließt die Oker entlang des ehemaligen Mühlengrabens.

 

 

 

 

 

Naturfotografie am Oker Wehr

Naturfotografie am Oker Wehr

Fließgewässer trifft Stillgewässer

Die nächste Station war die Überlaufschwelle zwischen Oker und Ölper See:
Hier liegen die beiden Lebensräume „Fliessgewässer“ und „Stillgewässer“ direkt nebeneinander. Spiegelungen auf der ruhigen Wasseroberfläche des Sees stehen im Kontrast zu der Dynamik des fließenden Wassers. So kann man erleben, wie eng ökologische Zusammenhänge und fotografische Gestaltungsmöglichkeiten miteinander verknüpft sind.

Einer der zweifellos interessantesten und auch „wirkungsvollsten“ Bewohner der Oker ist der Biber, welcher in früherer Zeit u.a. wegen seiner ungewünschten Tätigkeiten im Wasserbau in Europa fast ausgerottet worden war. Heute ist der Biber in Deutschland wieder weit verbreitet und auch in der Oker bis zum Harz heimisch.

Überlaufschwelle von der Oker zum Ölper See

Überlaufschwelle von der Oker zum Ölper See

Die Gelbe Teichrose (Nuphar lutea) in der Oker

Halb-und-halb-Aufnahme in der Oker

Halb-und-halb-Aufnahme in der Oker

Frasspur eines Bibers (Castor fiber) an der Aller

Fraßspur eines Bibers an der Aller

Ein Blick unter die Wasseroberfläche

Stephan hatte auch (wie konnte es anders sein…) ein kleines Aquarium dabei, in dem er den Teilnehmern einige zuvor gekäscherte Wasserorganismen präsentierte. So konnten die Teilnehmer mit Hilfe einer Lupe einen Blick auf die Welt des Mikrokosmos unter der Wasseroberfläche werfen: Wasserinsekten, Kleinkrebse und Insektenlarven offenbaren nicht nur faszinierende Anpassungen an ihren Lebensraum – sie stellen auch die Nahrungsgrundlage für viele größere Lebewesen dar, wie Fische oder Vögel. Viele dieser Kleinlebewesen werden auch als sogenannte Bioindikatoren genutzt und geben Hinweise auf die Wasserqualität eines Gewässers.

Für die Fotografen ergaben sich dabei ungewohnte Motive: Statt großer Landschaften standen plötzlich wenige Millimeter große Lebewesen im Mittelpunkt. Die Verbindung von Naturbeobachtung und Fotografie machte eindrucksvoll sichtbar, wie vielfältig selbst kleinste Lebensräume sein können.

Verschiedene Wasserpflanzen des Süsswassers

Mikroskopaufnahmen verschiedener Kleinlebewesen

Mikroskopaufnahmen verschiedener Kleinlebewesen

 Natur bewusst wahrnehmen. Nachbesprechung und Austausch.

Zum Abschluss traf sich die Gruppe erneut am Pavillon zur Nachbesprechung. Jeder Teilnehmer hatte seinen eigenen Blick auf die Natur entwickelt und individuelle Motive entdeckt. Es wurden Eindrücke ausgetauscht und der Austausch der jeweils „best-of-3“ Fotos organisiert:

Die Ergebnisse geben spannende Einblicke in die Vielfalt des Ölper Sees und seiner Umgebung.

 

Die Exkursion zeigte eindrucksvoll, dass Naturfotografie weit mehr ist als das Anfertigen schöner Bilder. Sie schärft den Blick für ökologische Zusammenhänge, fördert die Aufmerksamkeit für Details und eröffnet neue Perspektiven auf die Natur direkt vor unserer Haustür.
Wer bewusst mit der Kamera durch die Landschaft geht, entdeckt eine Welt, die ihm zuvor oftmals verborgen geblieben ist.
Die Naturfotografie ist ein Werkzeug, mehr über die Natur zu lernen.

 

 

Kopfsprung Stockente an Überlaufschwelle Ölper See

Kopfsprung Stockente an Überlaufschwelle Ölper See
Bates´sche Mimikry: Der Hornissen-Glasflügler (Sesia apiformis)

Bates´sche Mimikry: Der Hornissen-Glasflügler (Sesia apiformis)

Entenkampf